2005 – FETTE MÄNNER IM ROCK


FETTE MÄNNER IM ROCK 

VON NICKY SILVER

EIN ANALOG-PROJEKT VON DANIEL SCHÜSSLER
IN KOPRODUKTION MIT DER ORANGERIE – THEATER IM VOLKSGARTEN


INHALT

Erster Akt am Strand; zweiter Akt im Wohnzimmer; dritter Akt in der Psychiatrie. Die Frau ist eine spießige Zicke; der Mann ist ein drittklassiger Filmregisseur und Schürzenjäger; der Sohn beginnt als schüchterner Junge, wird zum Ödipus und endet als Monster; die junge Geliebte jobbt als Pornodarstellerin, fühlt sich aber für Hollywood prädestiniert. Südseeidylle, Sitcom und Gerichtssaal-Drama in einem. Der typisch-amerikanische Alltag eben! Ein Alltag, der auch in uns lauert – in unserer display-dominierten Medien-Gesellschaft. 

Diese unterschiedlichen Elemente hat Nicky Silver zu einer bitterbösen Boulevard-Komödie gedichtet, einer makaber düsteren Farce, die einer selbstgefälligen, selbstverliebten Gesellschaft den Spiegel vorhält, ohne das Lachen im Rachen zu ersticken. Das ANALOGTHEATER widmet sich nach LEONCE UND LENA erneut einem Stück, in dem es um gestörte Familienverhältnisse geht. Von der Komödienvorlage versucht das Ensemble, die „komische“ Folie des Stückes herunterzukratzen, um den Kern unter der Oberfläche freizulegen. Eine rasante Folge kurzer Szenen, in der Bilder und Situationen entworfen, sofort wieder überblendet, kommentiert, variiert, korrigiert werden, lassen einen Sog entstehen, eine Atmosphäre der Unausweichlichkeit des Geschehens.

 

Fotos: Wolfgang Weimar


FAKTENCHECK

Premiere: 11. August 2005 in der Orangerie – Theater im Volksgarten

Mit: Günther Heitzmann, Antonius Hermle, Christina Knebel, Sandra Kouba, Robin Schüllenbach

Regie: Daniel Schüßler, Dramaturgie: Ian Halcrow, Bühne: Aurel Lenfert und Uli Tegetmeier, Lichtdesign: Jörg Zysik, Assistenz: Christiane Schuller

Förderer: Gefördert durch das Kulturamt der Stadt Köln und die Kunststiftung NRW

STIMMEN ZUM STÜCK

Die totale seelische Hilflosigkeit von Menschen, die mit der Natur nicht mehr zurechtkommen, weil eigentliches Habitat die Künstlichkeit der Medien ist, bildet den Kern der Inszenierung. Die Rettung aus der Misere kann nur das wieder entdeckte, gegen Ende des Stücks kathartisch überhöhte “natürliche” Gefühl wahrer Liebe sein. TAZ NRW, Holger Möhlmann

Regisseur Daniel Schüßler will und wagt viel in dieser dramatischen Kuriosität, spiegelt die Medienmaschine und spielt mit ihr, lässt Rückblenden filmen, experimentiert mit Erzählebenen. (…) Was ist wirklich, was nur fantasiert, in diesem Menschenzoo, in dem wir uns besuchen? Kölner Stadt-Anzeiger, Arndt Kremer